Leben und Energie

Der Mensch in der Moderne redet immer viel über Energie und die Nachhaltigkeit und ob sie auch nach den Vorstellungen des ökobewußten Wohlstandsbürgers eine saubere sei. Über die Frage was die Energie überhaupt ist, welche Rolle spielt sie in den organismischen Zusammenhängen der Erde und darüber hinaus, macht sich kaum jemand Gedanken. Sie steht uns über Ressourcen zur Verfügung und wir können sie in immer größerem Maße benutzen. Das einzige Problem scheint die Verschmutzung und die Endlichkeit der Ressourcen zu sein, deshalb braucht man dann einfach sogenannte "erneuerbare".

 

Dass Energie grundsätzlich mit dem Leben verbunden ist und eine übermäßige Aneignung durch den Menschen, einen Mangel und die entsprechenden Erscheinungen an anderer Stelle verursacht, wird überhaupt nicht in Betracht gezogen.

 

Es wird vollkommen ausgeblendet, dass der sogenannte Fortschritt der letzten hundert Jahre nicht auf dem hohen geistigen Niveau des Menschen, seiner Findigkeit seiner Bildung und seinem Fleiß beruhen, sondern auf einer unermeßlichen Ausbeutung von Energie aus naturgegebenen Potentialen und deren massenhafter Vernutzung.

 

Seit dem Beginn der kommerziellen Erdölförderung wurden durch die fossilen Energieträger der modernen Welt eine Arbeitsleistung von 750 Milliarden menschlichen Arbeitsleben verbraucht.

Bildlich ausgedrückt mußte die ganze vorweggegangene  Menschheit siebeneinhalbmal wiederauferstehen, um ihr Arbeitsvermögen für unseren Wohlstand abzuliefern.

 

Dieser energetische Höhenflug nähert sich rasant seinem Ende. 

Der Anteil der aufgewendeten Energie für die Gewinnung und Nutzbarmachung der Energieträger steigt seit Jahrzehnten ständig an und damit schrumpft der für unsere Wirtschaft wirklich nutzbare Anteil unaufhörlich. Das gilt für alle Energieträger, aber für die sogenannten erneuerbaren Energien ist die Ausbeute die geringste.

Deshalb wäre es angebracht, dass es nicht nur auf diesem Gebiet zu einem radikalen Umdenken kommt.   Als Anregung haben wir die Texte im nächsten Abschnitt aufgeführt.


Einhundert Jahre Industrie  - ein Niedergang

von Thomas Hoof

In  den vergangenen 70 Jahren gab es unter Energiegesichtspunkten vier einander schnell ablösende Zeitabschnitte:

 

 - Die 1 : 50 Jahrzehnte (ca. 1950 bis 1970), in denen mit einem Barrel Öl 50 neue Barrel Öl gefördert, aufbereitet und bereitgestellt werden konnten. Aus dem Verhältnis 1 : 50 entsprang der Massenwohlstand der Nachkriegszeit; Arbeit und Kapital teilten sich den springflutartigen Überschuß im verhältnis 3 : 1. Schulden spielten nur nur zu Beginn als Hinterlassenschaft des Zweiten Weltkrieges eine Rolle.

 

 - Die 1 : 18 Jahrzehnte (ca. 1970 bis 1990), in denen mit einem Barrel Öl 18 neue Barrel gefördert, aufbereitet und bereitgestellt werden konnten. Das verengte Verhältnis schmälerte die Verteilungsspielräume zu Lasten beider Seiten, Arbeit und Kapital. Die Staaten machten sich als Lückenbüßer bereit und sprangen mit steigenden Staatsschulden in die Wohlstandsbresche; die Finanz- und die privaten Akteure folgten. Die nachfolgende Grafik zeigt die in den 1980er Jahren abhebende Schuldenkurve (globale Schulden von Staaten, Körperschaften, Banken, Nichtbanken und Privaten). In dieser Periode: 1970: fünf Billionen, 1980: neun Billionen, 1990: 28 Billionen.

 

 - Die 1 : 10 Jahrzehnte (ca. 1990 bis 2010), in denen mit einem Barrel Öl nur noch zehn neue Barrel Öl gefördert, aufbereitet und bereitgestellt werden konnten. Der weiter geschrumpfte Überschuß wurde schmerzlich. Der Wohlstand schmolz real. Die Schuldenmassen wuchsen kompensatorisch. Weltschuldenverlauf: 1990: 28 Billionen, 2000: 61 Billionen, 2010: 170 Billionen.

 

 - Die 1 : 5 Jahrzehnte (ca. 2010 bis 2025/2030), in denen mit einem Barrel Öl nur noch fünf neue Barrel Öl gefördert, aufbereitet und bereit gestellt werden können. Die weiter gestiegenen Schuldenvolumina haben einen Finanzsektor aufgeblasen, der die Realwirtschaft inzwischen um das Fünffache überwachsen hat. Die Finanzökonomie simuliert mathematisch, was in der physischen Wirtschaft mangels eines Energieüberschusses nicht mehr realisiert werden kann: Wertschöpfung.

Weltschuldenverlauf: 2010: 170 Billionen, 2020: 258 Billionen.

 

 - Es wird nun eingeläutet: Das 2 : 1 Jahrzehnt (202x bis 203x), in dem 2 Barrel Öl nötig sind, um ein Barrel Öl zu fördern, aufzubereiten und bereitzustellen. Die Periode ist logischerweise nur sehr kurz, wenn sie sich auch tatsächlich über mehrere Jahre erstrecken wird, weil die skizzierten Wirkungen des Ertragsgesetzes je nach Energierohstoff und Fördergebiet mit Zeitversatz einschlagen. Die Erdgasvorkommen werden nach Wegfall des Erdöls sehr schnell verbraucht. Die Erneuerbaren Energien spielen keine Rolle oder nur eine lokale in verfallenden industriellen Großstrukturen. Für den Umstieg von einer thermoindustriellen auf eine elektroindustrielle Gesellschaft (mit Kernkraft als zentrale Quelle) fehlen sowohl die Zeit als auch die Energieüberschüsse. Der Preis des Barrels Öl wird schließlich gegen unendlich gehen, trotzdem wir niemand mehr fördern, womit dann auch erwiesen wäre, daß keineswegs alles eine "Frage des Preises", sondern letztlich alles eine Frage der Energie ist.

 

Die kleine Skizze macht deutlich: Die wirklichen Verluste finden nicht in den Bilanzen statt und können deshalb auch mit weiteren Phantastilliarden nicht ausgeglichen werden. Sie geschehen in der Welt der wirklichen Wirtschaft, wo nicht die Mathematik regiert, sondern die Physik. Geld läßt sich drucken oder noch unkörperlicher durch eine Buchung schaffen. Energie nicht. Energie im Überschuß noch viel weniger. Und "Wirtschaften" ist niemals etwas anderes als ein Energiemanagement mit dem Ziel eines Energieüberschusses. 

Alles andere ist nur eine Simulation.